Vietnam zeichnet sich durch eine ausserordentliche Biodiversität aus, die eine Vielzahl unterschiedlicher Tier- und Pflanzenarten umfasst. Eine erst kürzlich beschriebene Art ist die Nui-Chua-Stabschrecke, die im Jahr 2018 wissenschaftlich erfasst wurde. Ihr Name leitet sich vom Nui-Chua-Nationalpark ab, dem bislang einzigen bekannten Verbreitungsgebiet dieser Spezies.
Die Art bewohnt die immergrünen Regenwälder der Region und zeigt eine ausgeprägte Tarnfähigkeit: Aufgrund ihrer astähnlichen Erscheinung ist sie hervorragend an ihre Umgebung angepasst und entzieht sich so potenziellen Fressfeinden.
Wie für viele Vertreter der Gespenstschrecken (Phasmatodea) typisch, weist die Nui-Chua-Stabschrecke einen ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus auf. Weibchen erreichen eine Körperlänge von bis zu 13 cm, während Männchen mit etwa 6 cm deutlich kleiner bleiben.
Ein bemerkenswertes Merkmal dieser Art ist ihr soziales Fortpflanzungsverhalten: Sobald ein Männchen die Geschlechtsreife erreicht, klammert es sich an eine weibliche Nymphe (Jungtier) und verbleibt dort bis zum Lebensende. Selbst während der finalen Häutung des Weibchens, beim Übergang von der Nymphe zum adulten Stadium, verbleibt das Männchen auf dem Weibchen.
Darüber hinaus wurde beobachtet, dass Männchen gegenüber anderen Männchen ein Verteidigungsverhalten zeigen, um ihre Fortpflanzungspartnerin zu sichern. Die Nymphen reagieren unterschiedlich auf Stress, in Abhängigkeit vom Entwicklungsstadium: Jüngere Tiere zeigen hektische Bewegungen, während ältere Nymphen eine Thanatose (Schreckstarre) einnehmen.
Der genaue Bestand der Nui-Chua-Stabschrecke ist bislang nicht erfasst. Aufgrund ihres stark begrenzten Verbreitungsgebiets wird jedoch vermutet, dass die Populationsgrösse insgesamt klein ist.
Da die Art in den Baumkronen lebt, ist sie auf intakte Waldgebiete angewiesen. Die zunehmende Abholzung stellt deshalb eine potenzielle Bedrohung für ihren Fortbestand dar.
Zur Sicherung der Art haben Zoos damit begonnen, die Nui-Chua-Stabschrecke in kontrollierter Umgebung zu züchten, um so eine stabile Reservepopulation aufzubauen und das Überleben dieser bemerkenswerten Insektenart langfristig zu sichern.