Sumatra-Orang-Utan (Pongo pygmaeus abeli) Wenda in Jantho, Naturschutzprojekt Paneco.

20.09.2026 — Lebensraumschutz

Der lange Weg zurück

Vor rund zehn Jahren hat das Team in unserem Naturschutzprojekt Paneco auf Sumatra das Orang-Utan-Weibchen Wenda erfolgreich im Regenwald wiederausgewildert. Nun haben wir Wenda mit einem Jungtier entdeckt – ein Riesenerfolg!

Orang-Utan-Jungtiere haben eine der längsten Beziehungen im Tierreich zu ihrer Mutter. Bis zu neun Jahre lang lernen sie von ihr alle Verhaltensweisen, die sie für ein selbstständiges Leben brauchen. Während dieser wichtigen Phase kommt es auf Sumatra aber immer wieder zu Störungen durch Menschen, wobei die Muttertiere getötet und die Jungtiere unter widrigsten Bedingungen illegal als Haustiere gehalten werden. Die Stiftung PanEco, unsere Naturschutzpartnerin in Indonesien, setzt hier an: Sie rehabilitiert die geretteten Jungtiere und bereitet sie auf die Rückkehr in der Wildnis vor. Mit Erfolg – wie die jüngsten Beobachtungen im Regenwald zeigen.

Sumatra-Orang-Utan (Pongo pygmaeus abeli) Wenda mit Jungtier in Jantho, Naturschutzprojekt Paneco.

Wenda mit ihrem zweiten Jungtier, aufgenommen im Juli 2026 auf Sumatra. Bild: Stiftung Paneco, SOCP

Freudige Entdeckung

Es ist Juli 2026. Der Blick von PanEco-Mitarbeiterin und Naturschutzbotschafterin des Zoo Zürich Citrakasih (Citra) Nente schweift durch die hohen Wipfel des Regenwaldes von Jantho im Norden Sumatras. Plötzlich entdeckt sie im dichten Grün ein bekanntes Gesicht: Orang-Utan-Weibchen Wenda. Vor über zehn Jahren wurde Wenda hier im Schutzgebiet wieder in die Natur entlassen. Seither lebt sie selbstständig im Regenwald und wird regelmässig von den lokalen Mitarbeiter*innen des Schutzprojekts beobachtet.

Als sich Wenda oben in den Baumkronen etwas dreht, entdeckt Citra plötzlich noch etwas – und ihr Herz schlägt höher: Wenda trägt ein Jungtier in den Armen!

Sumatra-Orang-Utan (Pongo pygmaeus abeli) Wenda mit Jungtier in Jantho, Naturschutzprojekt Paneco.

Junge Orang-Utans bleiben sehr lange bei ihren Müttern. Bild: Stiftung Paneco, SOCP

Wendas Geschichte

Wir blicken zurück ins Jahr 2009. Im Alter von ungefähr einem Jahr kommt die unterernährte Wenda in die Auffang- und Pflegestation der Stiftung PanEco in Batu M’Belin. Während der nächsten vier Jahre wird der junge Orang-Utan aufgepäppelt und Schritt für Schritt auf ein selbstständiges Leben vorbereitet.

Sumatra-Orang-Utan Wenda 2009 bei der Ankunft in der Auffangstation des SOCP.

2009: Wenda bei Ihrer Ankunft in der Auffang- und Pflegestation. Bild: Stiftung Paneco, SOCP

Regenwaldschule

Ein wichtiger Bestandteil dabei ist die sogenannte Regenwaldschule. Hier kommt Wenda mit anderen Orang-Utans in Kontakt und erkundet bewaldete Bereiche mit echten Bäumen. Dabei eignet sie sich wichtige Fähigkeiten an, die sie für ein Leben im Regenwald braucht: Sie lernt, sich sicher durch die Baumkronen zu bewegen, natürliche Nahrung zu finden und Schlafnester in den Bäumen zu bauen.

Als die Mitarbeiter*innen der Auffang- und Pflegestation Wenda im Jahr 2013 als bereit für den nächsten Schritt beurteilen, beginnt die nächste Etappe auf ihrem Weg zurück in die Selbstständigkeit.

Sumatra-Orang-Utan Wenda in der Auswilderungsstation des SOCP.

Wenda in der Auswilderungsstation. Bild: Zoo Zürich, Claudia Rudolf von Rohr

Auswilderungsstation

Der nächste Halt für Wenda ist die Auswilderungsstation in Jantho. Dort beginnt gewissermassen die Sekundarstufe der Regenwaldschule. In einem weiterhin geschützten Rahmen unternimmt sie selbstständige Ausflüge in den Regenwald, verfeinert ihre Fähigkeiten und lernt insbesondere die lokal vorkommenden Nahrungsquellen kennen.

Auch in dieser Phase wird Wendas Verhalten genau beobachtet und ihre Entwicklung dokumentiert. Erst als das Team überzeugt ist, dass sie für ein eigenständiges Leben bereit ist, folgt der entscheidende Schritt: die eigentliche Auswilderung in den Regenwald von Jantho.

In der Auswilderungsstation lebt Wenda bereits weitgehend selbstständig. Gleichzeitig hat sie noch die Möglichkeit, aus dem Regenwald zu den Betreuungspersonen zurückzukehren, wenn sie deren Hilfe noch benötigt.

Sumatra-Orang-Utan (Pongo pygmaeus abeli) Wenda in Jantho, Naturschutzprojekt Paneco.

Wenda entdeckt, wie sie sich im Regenwald selbständig ernähren kann. Bild: Stiftung Paneco, SOCP

Rückschlag

Auch nach der Auswilderung wird Wenda nicht einfach sich selbst überlassen. Deshalb beobachten die Mitarbeiter*innen vor Ort weiterhin genau, wie sie sich im Regenwald zurechtfindet.

Diese Begleitung wird im Juli 2015 entscheidend: Das Team stellt fest, dass Wenda von einem Baum gestürzt ist und sich dabei den Knöchel gebrochen hat. Sie wird zurück in die Auffang- und Pflegestation gebracht und erfolgreich operiert.

Nach rund einem halben Jahr Rehabilitation erhält Wenda eine zweite Chance auf ein selbstständiges Leben im Regenwald von Jantho.

Sumatra-Orang-Utan Wenda mit ihrem ersten Jungtier, 2024, auf Sumatra.

2024: Wenda mit ihrem ersten Jungtier. Bild: Stiftung Paneco, SOCP

Nachwuchs

Während der nächsten acht Jahre lebt Wenda selbstständig im Regenwald von Jantho und begegnet dabei immer wieder anderen Artgenossen – darunter auch Männchen. 2024 folgt ein besonderer Meilenstein: Wenda bringt ihr erstes Jungtier zur Welt, das das Beobachtungsteam Mitte des Jahres erstmals zu Gesicht bekommt.

Danach zieht sich Wenda mit ihrem Nachwuchs wieder tiefer in den Regenwald zurück und wird nur noch vereinzelt gesichtet. Als die Mitarbeiter*innen sie im Januar 2026 erneut beobachten, ist ihr erstes Jungtier nicht mehr bei ihr. Da es in diesem Alter normalerweise noch eng bei seiner Mutter leben würde, müssen wir annehmen, dass es zwischenzeitlich verstorben ist. Gleichzeitig deutet Wendas deutlich runderer Bauch darauf hin, dass sie erneut trächtig sein könnte. Dieser Verdacht bestätigt sich wenige Monate später: Im Juli 2026 zeigt sich Wenda mit einem neuen Jungtier.

Sumatra-Orang-Utan-Jungtier auf Sumatra im Naturschutzprojekt Paneco, SOCP.

2026: Wenda trägt wieder ein Jungtier bei sich. Bild: Stiftung Paneco, SOCP

Weitere Erfolge

Die Geschichte von Wenda ist kein Einzelfall im Schutzprojekt der Stiftung PanEco. Mittlerweile wurden mehr als 190 rehabilitierte Sumatra-Orang-Utans in Jantho ausgewildert.

Heuer gab es bereits im Mai Nachwuchs zu feiern: Bulan, ein ebenfalls ausgewildertes Orang-Utan-Weibchen, wurde im Mai mit ihrem ersten Jungtier im Regenwald entdeckt. Mit Wendas Nachwuchs im Juli dieses Jahres wurden inzwischen elf Geburten von wiederangesiedelten Orang-Utans dokumentiert.

Diese Geburten sind ein wichtiges Zeichen für den langfristigen Erfolg des Schutzprojekts: Sie zeigen, dass sich rehabilitierte Orang-Utans wieder selbstständig im Regenwald behaupten, fortpflanzen und damit zum Aufbau einer neuen Population beitragen können.

Zurück zu Naturschutzbotschafterin des Zoo Zürich und Leiterin der Auswilderungsprojekte Citra. Noch immer beobachtet sie Wenda und ihr Jungtier in den Bäumen des Regenwaldes von Jantho. Was sie dort sieht, ist das Ergebnis eines langen Weges: Dank der unermüdlichen Arbeit des Teams vor Ort ist aus einem einst hilflosen geretteten Orang-Utan-Jungtier eine selbstständige Mutter geworden.

Für Wendas Nachwuchs hat dieser Weg gerade erst begonnen. In den kommenden Jahren wird das Jungtier hoffentlich von seiner Mutter alles lernen können, was er für ein selbstständiges Leben im Regenwald braucht.

Auch das ausgewilderte Weibchen Bulan hat 2026 zum ersten Mal ein Jungtier. Bild: Stiftung Paneco, SOCP

Selbst Orang-Utans auf Sumatra schützen

Damit Erfolgsgeschichten wie jene von Wenda oder Bulan möglich sind, braucht es langfristiges Engagement. Seit 2007 unterstützt der Zoo Zürich die Stiftung PanEco und ihr Engagement für den Schutz der Orang-Utans und ihres Lebensraums auf Sumatra. Dazu gehört die Arbeit von Citra und ihrem Team, die rehabilitierte Orang-Utans auf ihrem Weg zurück in den Regenwald begleiten und die ausgewilderten Tiere langfristig beobachten.

Selber mithelfen

Auch Sie können Orang-Utans schützen: Mit Ihrer Spende an unser Naturschutzprojekt sichern Sie unsere Arbeit vor Ort langfristig und ermöglichen den vom Aussterben bedrohten Sumatra-Orang-Utans eine Zukunft.

  • Bildung
  • Forschung
  • Artenschutz
  • Blick aus der Luft auf einen Teil des Nouabalé-Ndoki-Nationalparks (NNNP) im Kongo.LebensräumeWir schützen Natur – lokal und global

Für die Orang-Utans spenden

FundraisingBox Logo

Oft gestellte Fragen zum Spenden

Weitere Fragen & Antworten
Zurück zur Übersicht