Bildcollage: Springtamarin, Ryabovs Flechtenfrosch und Schneeleopard. Alle aufgenommen im Zoo Zürich. Fotos: Zoo Zürich, Tim Benz.

19.10.2026 — Artenschutz

Die Welt zieht Bilanz: Wie steht es um unsere Artenvielfalt?

Der «Hotspot der Artenvielfalt» liegt in diesen Tagen in Armenien. Dort hat sich die Weltgemeinschaft zur 17. Weltbiodiversitätskonferenz (COP17) versammelt. Die Konferenz findet alle zwei Jahre statt und ist das wichtigste Treffen zum Schutz der biologischen Vielfalt auf unserem Planeten. In diesem Jahr wird erstmals Bilanz gezogen: Welche Fortschritte konnte die Welt seit der Verabschiedung des Weltnaturabkommens 2022 erzielen?

In Kürze:

  • In Armenien treffen sich vom 19.-30. Oktober 2026 Vertreter*innen von 196 Ländern zur 17. Weltbiodiversitätskonferenz (COP17).

  • Erstmals gibt es einen zusammenfassenden Bericht (Global Report on Collective Progress) über die bisher von den Ländern erzielten Fortschritte im Schutz der globalen Artenvielfalt.

  • Der Bericht zeigt: Viele Länder sind noch nicht auf Kurs. Erst eins von 23 Zielen ist laut Bericht auf gutem Weg.

  • Als moderner Zoo, der sich tagtäglich auf vielen Ebenen im Natur- und Artenschutz engagiert, verfolgt der Zoo Zürich die COP17 mit Interesse.

Es geht ans Eingemachte in Eriwan in Armenien. Statt der Vereinbarung neuer Schutzversprechen steht erstmals ein Realitätscheck im Fokus der Konferenz. Was haben die einzelnen Länder bereits an Massnahmen zum Schutz der Biodiversität umgesetzt? Wie viel Fläche haben sie unter Schutz gestellt? Was muss getan werden, damit es schneller voran geht?

Ziel sind 30 Prozent

Vor vier Jahren hatte die Staatengemeinschaft an der COP15 im kanadischen Montreal das sogenannte Kunming-Montreal-Abkommen geschlossen – ein globaler Rahmenvertrag, um den weltweiten Verlust der biologischen Vielfalt zu stoppen.

Das Weltnaturabkommen galt damals als grosser Durchbruch, weil es die unterzeichnenden Länder zum Handeln verpflichtet und erstmals einen politisch verbindlichen Fahrplan zum Schutz der globalen Biodiversität bis 2050 bildet. Der Vertrag ist für den Schutz der Biodiversität ebenso bedeutsam wie das Klima-Abkommen von Paris für den weltweiten Klimaschutz.

Waldelefanten in der Republik Kongo. Foto: Zoo Zürich, Tim Benz.

Blick in das Naturschutzgebiet Nouabalé-Ndoki in der Republik Kongo, für das sich der Zoo Zürich im Rahmen seiner weltweiten Naturschutzarbeit engagiert. Foto: Zoo Zürich, Tim Benz.

Konkret verfolgt das globale Abkommen das Ziel, den Verlust der biologischen Vielfalt bis 2030 zu stoppen und umzukehren. Das sogenannte «30x30-Ziel» ist das bekannteste Element des Abkommens (Ziel 2): Demnach sollen bis 2030 mindestens 30 Prozent der Land- und Meeresfläche unter Schutz gestellt werden. 30 Prozent der zerstörten Ökosysteme – beispielsweise Wälder, Korallenriffe, Flüsse oder Moore – sollen bis 2030 wiederhergestellt werden.

Es geht zu langsam voran

Der nun publizierte Zwischenbericht zeigt: Es gibt noch viel zu tun. Die Länder sind noch längst nicht auf Kurs. Erst ein Ziel von insgesamt 23 ist auf einem guten Weg: Beim Klimaschutz gibt es Fortschritte (Ziel 8). Bei allen anderen Zielen besteht grosser Nachholbedarf.

Beispielsweise sind derzeit rund 20 Prozent der Landflächen und Binnengewässer als Schutzgebiete ausgewiesen, zeigt eine aktuelle Studie im Vorfeld der Konferenz. Weniger gut sind die Fortschritte beim Schutz der Ozeane: Nur etwa 10 Prozent der Meere stehen bislang unter Schutz. In den kommenden zwei Wochen wird es also vor allem darum gehen, Wege zu finden, die Umsetzung der Ziele zu beschleunigen.

Blick auf eine Bai im Nouabalé-Ndoki-Nationalpark in der Republik Kongo. Foto: Zoo Zürich, Tim Benz.

Mit den aktuell bereits bestehenden Zusagen verschiedener Länder, die aber bisher noch nicht umgesetzt wurden, könnte der Anteil geschützter Landfläche bis 2030 auf 27 Prozent steigen. Foto: Zoo Zürich, Tim Benz.

Relevante Arbeit moderner Zoos

Ein weiteres Ziel des Abkommens ist es, den globalen und anhaltenden Verlust der Artenvielfalt zu stoppen. Dafür sollen Populationen bedrohter Arten erhalten und stabilisiert werden (Ziel 4). Moderne Zoos spielen hierbei eine bedeutsame Rolle. Bereits die Biodiversitätskonvention (CBD) von 1992, das erste internationale Übereinkommen zum Schutz der biologischen Vielfalt überhaupt und rechtliche Grundlage für das Kunming-Montreal-Abkommen, streicht im Artikel 9 heraus, dass es ergänzend zu Schutzmassnahmen im Lebensraum (in-situ) auch Erhaltungszuchten und Reservepopulationen bedrohter Arten ausserhalb des natürlichen Lebensraums (ex-situ) braucht.

Dies ist ein bedeutender Teil der Arbeit moderner Zoos, die unter dem Dach der EAZA (Verband der Europäischen Zoos und Aquarien) vereinigt sind und durch ihre Expertise und Erfahrung beim Erhalt von Reservepopulationen bedrohter Arten bis heute Pionierarbeit leisten.

Grevy-Zebra im Zoo Zürich. Foto: Zoo Zürich, Tim Benz.

Grevy-Zebras (Equus grevy) gelten als stark gefährdet. Der Zoo Zürich schützt die Tiere in seinem Naturschutzprojekt Lewa in Kenia und durch den Erhalt einer Reservepopulation international koordiniert in einem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP). Er verbindet, was zusammengehört. Foto: Zoo Zürich, Tim Benz.

Biodiversitätsschutz geht nur gemeinsam

Der Erhalt der biologischen Vielfalt ist eine globale Aufgabe, die lokales Handeln erfordert. Naturschutzorganisationen, moderne Zoos, Forschungseinrichtungen, Behörden, Regierungen und engagierte Privatpersonen leisten weltweit wichtige Beiträge, um Lebensräume zu schützen, bedrohte Arten zu erhalten und Wissen über den Schutz der Biodiversität zu vermitteln.

Auch der Zoo Zürich engagiert sich als akkreditierter EAZA-Zoo in verschiedenen Naturschutzprojekten im In- und Ausland. Dabei verfolgen wir das Ziel, einen messbaren Beitrag zum Erhalt von Arten und Lebensräumen zu leisten und Menschen für die Bedeutung der Biodiversität zu sensibilisieren.

Einsatz des Elephant-Conflict-Teams am Rand des Kaeng Krachan Nationalparks in Thailand. Foto: WCS Thailand.

Der Zoo Zürich schützt Asiatische Elefanten u. a. durch die Finanzierung des Elephant-Human-Conflict-Teams, kurz EHC, in Thailand. 99 Prozent der Versuche von Elefanten sich in landwirtschaftlichen Kulturen zu verköstigen, können durch das rechtzeitige Eingreifen des Teams vereitelt werden. Foto: WCS Thailand.

Von der Vision zur Wirkung

Die COP17 wird zeigen, ob die Weltgemeinschaft auf Kurs ist, die selbst gesteckten Biodiversitätsziele bis 2030 zu erreichen. Unabhängig von den Ergebnissen steht fest: Der Schutz der biologischen Vielfalt ist eine, wenn nicht die zentrale Herausforderung unserer Zeit. Während die Bemühungen zum Schutz des Klimas darüber entscheiden, wie wir überleben, entscheidet der Schutz der Biodiversität darüber, ob wir überleben. Jede renaturierte Fläche, jede geschützte Art und jedes erfolgreiche Naturschutzprojekt trägt dazu bei, die natürlichen Lebensgrundlagen für zukünftige Generationen zu sichern.

Der Zoo Zürich verfolgt die Entwicklungen der COP17 mit Interesse und wird sich weiterhin für einen wirksamen Natur- und Artenschutz einsetzen – durch seine Arbeit im Zoo wie auch weltweit. Wir verbinden, was zusammengehört.

Selbst aktiv werden

Möchten auch Sie zum Schutz unserer Natur und der einzigartigen Artenvielfalt beitragen? Dann freuen wir uns über ihre Spende!

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  • Blick aus der Luft auf einen Teil des Nouabalé-Ndoki-Nationalparks (NNNP) im Kongo.LebensräumeWir schützen Natur – lokal und global
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