Arabische Oryx im Zoo Zürich

27.10.2026 — Artenschutz — Aktuelle Hinweise — Tiere — Videos

Neuer Lebensraum für fast ausgestorbene Wüstenbewohner

Die Arabische Oryx stand einst am Rand des endgültigen Verschwindens. Dank des Engagements von Zoos weltweit, darunter auch des Zoo Zürich, konnte die Art vor dem Aussterben bewahrt werden. Heute gilt sie als ein erfolgreiches Beispiel des internationalen Artenschutzes im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogrammes (EEP), das der Zoo Zürich koordiniert. Die Zoogäste können die eindrucksvollen Wüstenbewohner nun in einem neu gestalteten Lebensraum erleben, der den Landschaften ihrer natürlichen Heimat auf der Arabischen Halbinsel nachempfunden ist.

Mit ihren langen, nahezu geraden Hörnern, der markanten schwarz-weissen Gesichtszeichnung und dem hellen Fell wirkt die Arabische Oryx (Oryx leucoryx) fast wie ein Fabelwesen. Tatsächlich wird vermutet, dass Sichtungen einzelner Oryx zur Entstehung des Einhorn-Mythos beigetragen haben könnten. Möglicherweise trugen auch Luftspiegelungen und die flimmernde Hitze ihrer Wüstenheimat dazu bei, dass die Tiere als Einhörner wahrgenommen wurden.

Arabische Oryx im Zoo Zürich

Eine Erscheinung fast wie ein Fabelwesen. Foto: Zoo Zürich, Fabio Süess

Perfekt an die Hitze angepasst

Die hohen Temperaturen ihres natürlichen Lebensraums können aber der Arabischen Oryx selbst wenig anhaben. Sie ist hervorragend an das Leben in der Wüste angepasst: Ihr helles Fell reflektiert die Sonneneinstrahlung und schützt vor Überhitzung. Zudem verfügt sie über eine Art natürliche «Klimaanlage» im Kopf: Ein dichtes Netz feiner Gefässe kühlt das Blut, bevor es das Gehirn erreicht. Diese raffinierte Anpassung an ihren unwirtlichen Lebensraum konnte sie jedoch nicht vor der grössten aller Gefahren bewahren: Dem Menschen.

Arabische Oryx im Zoo Zürich

Das Wüstentier hat eine «Klimaanlage» im Kopf. Foto: Zoo Zürich, Fabio Süess

Die Ausrottung

Intensive Jagd führte dazu, dass die Arabische Oryx beinahe von unserem Planeten verschwunden wäre. Besiedelte sie einst die Wüstengebiete der Arabischen Halbinsel, begannen ihre Bestände ab den 1960er Jahren kontinuierlich abzunehmen. 1972 wurde im Oman das letzte freilebende Tier gewildert. Die Art galt in der Natur als ausgestorben!

Die Rettung

Aus wenigen eingefangenen Wildtieren sowie Tieren aus Zoos und Privatsammlungen entstand die sogenannte «Weltherde». Ab 1979 gelangten die ersten Tiere dieser Reservepopulation nach Europa, darunter auch in den Zoo Zürich. Sechs Arabische Oryx bildeten den Grundstock für eine äusserst erfolgreiche Zucht. Die Nachzuchten aus Zoos machten es möglich, die Art wieder in ihre ursprüngliche Heimat zurückzubringen. 1982 wurden im Oman die ersten Tiere ausgewildert. Weitere Wiederansiedlungen folgten in Jordanien, Saudi-Arabien, Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Auch im Zoo Zürich geborene Jungtiere wurden für diese Projekte abgegeben und kehrten so in die Wüstenlandschaften ihrer Vorfahren zurück.

Arabische Oryx im Zoo Zürich

Einst in der Natur ausgerottet, heute dank internationaler Artenschutzbemühungen unter Beteiligung von Zoos wieder in ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet heimisch. Foto: Zoo Zürich, Fabio Süess

Erfolgreicher Artenschutz durch Zoos

Die Arabische Oryx ist ein eindrückliches Beispiel für erfolgreichen, international koordinierten Artenschutz unter Beteiligung von Zoos. Dank der Erhaltungszucht und Wiederansiedlungsprogrammen konnte eine Tierart, die in der Natur bereits ausgerottet worden war, vor dem endgültigen Verschwinden bewahrt und in die Natur zurückgebracht werden. Vollständig gerettet ist die Arabische Oryx jedoch noch nicht: Die Weltnaturschutzunion IUCN stuft sie weiterhin als gefährdet ein. Der Zoo Zürich engagiert sich nach wie vor für die Erhaltung der Huftierart und koordiniert das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) für die Arabische Oryx. Gemeinsam mit Zoos in ganz Europa sorgt er dafür, dass die Reservepopulation genetisch gesund bleibt und so auch zukünftig einen Beitrag zum Schutz der Art leisten kann.

Die neue Anlage im Zoo Zürich zeigt deshalb nicht nur einen faszinierenden Wüstenbewohner, sondern auch, welchen Beitrag moderne Zoos zum Erhalt bedrohter Tierarten leisten. Sie steht zugleich für einen Ansatz, der für erfolgreichen Artenschutz entscheidend ist: Verbinden, was zusammengehört. Zoos im europäischen Zooverband EAZA, Naturschutzorganisationen, die Wissenschaft und die Politik müssen gemeinsam handeln. Im Rahmen des One Plan Approach bündeln diese Partner ihre Kräfte, um das langfristige Überleben bedrohter Arten und den Erhalt der Artenvielfalt weltweit zu sichern.

Arabische Oryx im Zoo Zürich

Die Arabischen Oryx im Zoo Zürich in ihrem neu gestalteten Lebensraum. Foto: Zoo Zürich, Fabio Süess

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