
14.10.2026 — Tiere
Sumpf im Kleinformat
In seiner Kolumne im «Tagblatt der Stadt Zürich» erzählt Zoodirektor Severin Dressen von den kleinen und grossen Geschichten des Zooalltags. Diesmal erklärt er, was ein Paludarium ist und warum es auch im Zoo Zürich eins gibt.
Sie alle wissen, was ein Aquarium ist. Auch unter Terrarium können Sie sich etwas vorstellen. Aber wissen Sie auch, was ein Paludarium ist? Seit kurzem gibt es ein solches bei uns in der Forschungsstation. Paludarium leitet sich vom lateinischen Wort Palus ab, was «Sumpf» oder «Feuchtgebiet» bedeutet. Ein Paludarium ist also eine Kombination aus Aquarium und Terrarium und somit ein Lebensraum, der beide Welten miteinander vereint. Es bildet ein Feuchtbiotop nach, wie man es beispielsweise in Mangroven oder tropischen Regenwäldern findet.
Der Orangeaugen-Laubfrosch gilt als gefährdet. Foto: Zoo Zürich, Tim Benz.
Der Gestreifte Blattsteiger gilt als gefährdet. Foto: Zoo Zürich, Tim Benz.
Der Vierpunktkärpfling gilt als stark gefährdet. Foto: Zoo Zürich, Tim Benz.
Heimat für bedrohte Arten
Wasser- wie landbewohnende Arten leben im Paludarium gemeinsam. In unserem konkreten Fall sind dies Orangeaugen-Laubfrösche, Gestreifte Blattsteiger und Vierpunktkärpflinge. Was klingt wie Figuren aus dem neusten Harry-Potter-Band, sind hochbedrohte Tierarten aus Mittelamerika. Das natürliche Verbreitungsgebiet von Orangeaugen-Laubfröschen und Gestreiften Blattsteigern, ebenfalls eine Froschart, sind die tropisch feuchten Tieflandregenwälder Costa Ricas. Dort und im benachbarten Panama gibt es auch zahlreiche flache, langsam fliessende Gewässer mit dichtbewachsenen Uferbereichen. Das ist die Heimat des Vierpunktkärpflings.
Perfekte Nischen
Genau diesen Lebensraum bildet das Paludarium bei uns im Zoo nach: Auf lichte Stellen im oberen Bereich folgen grosses Blattwerk und verschlungene Lianen, die übergehen in eine dichte Laubschicht entlang von Wurzelwerk und Geäst und schliesslich in ein flaches, dunkles Gewässer mit zahlreichen Nischen münden. Mitten hindurch schlängelt sich ein kleiner Flusslauf. Das Klima ist tropisch-feucht.

Das Paludarium befindet sich in der Forschungsstation des Zoos. Foto: Zoo Zürich, Tim Benz.
Im Paludarium findet jede Art die für sie perfekte Nische. Die nachtaktiven Orangeaugen-Laubfrösche verbringen den Tag schlafend. Dafür kleben sie sich in den oberen Stockwerken des Lebensraums unter Blätter oder auch mal direkt an die Glasscheiben. Eine Eigenart, die unseren Gästen einen einmaligen Blick auf die Unterseite dieser faszinierenden Frösche gewährt. Die Bewohner des mittleren Stockwerks sind für unsere Gäste dagegen meist erst zu hören und später zu sehen. Das charakteristische Rufen oder Trillern von Blattsteiger-Arten ist auch ausserhalb des Paludariums gut wahrnehmbar. Die Tiere halten sich vornehmlich in den dicht bewachsenen, dunkleren Ecken des Lebensraums auf. Mit ein bisschen Geduld und Suchen lassen aber auch sie sich entdecken. Und wer sich dann noch hinhockt, kann schliesslich einen Blick auf die Vierpunktkärpflinge im untersten Stockwerk des Paludariums werfen. Zugegeben ist auch hier genaues Hinschauen gefordert, denn Vierpunktkärpflinge werden maximal vier Zentimeter gross. Ihren Namen verdanken sie vier Punkten, die ihre Flanken zieren.
Interessante Einblicke
Alle drei Arten sind in ihrer Heimat vor allem durch menschliche Eingriffe wie grossflächige Entwaldung und den Eintrag von Umweltgiften in ihren Lebensraum bedroht. Mit dem Paludarium schaffen wir interessante Einblicke, einen spannenden Lebensraum und schützen zeitgleich drei bedrohte Arten.

Foto: Zoo Zürich, NIKON Claudio Thoma.
Obenstehender Text erschien erstmals im Rahmen der Kolumne «Zoo Intern» von Severin Dressen im «Tagblatt der Stadt Zürich».



